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Zeche Zollern II/IV, Dortmund |
Von der Arbeitsphysiologie zur Erforschung von Zellen und Molekülen
Glühende Stahlöfen, giftige Gase, jahrelange knochenharte Arbeit unter Tage – als das Vorläuferinstitut des heutigen MPI für molekulare Physiologie, das damalige Kaiser-Wilhelm-Institut für Arbeitsphysiologie, 1928 von Berlin nach Dortmund zieht, ist das Ruhrgebiet nicht nur eines der führenden Industriezentren Europas. Es bietet Naturwissenschaftlern und Medizinern auch ein breites Forschungsfeld für eine Vielzahl damals hoch aktueller Fragen: Welchen Einfluss haben schwere körperliche Belastungen auf die Gesundheit? Welche Nähr- und Mineralstoffe braucht der Körper, um diesen Anforderungen gewachsen zu sein? Und: Mit welcher Ernährung lässt sich die Leistungsfähigkeit des Menschen am besten erhalten? Überlegungen, die zu dieser Zeit nicht nur von wissenschaftlichem Interesse sind. Gerade nach Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929 erhalten sie auch große ökonomische Bedeutung.
Doch dann kommt der Zweite Weltkrieg und mit seinem Ende eine Neuordnung der deutschen Forschungslandschaft: Am 26. Februar 1948 geht aus der ehemaligen Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft die „Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften“ (MPG) hervor. Aus dem Dortmunder KWI für Arbeitsphysiologie wird noch im selben Jahr das Max-Planck-Institut für Arbeitsphysiologie.
1956 wird die ernährungsphysiologische Abteilung in ein selbständiges MPI für Ernährungphysiologie umgewandelt, so dass von da an Dortmund Standort von zwei unabhängigen Max-Planck-Instituten ist.
Vorstoß in den Mikrokosmos der Gene und Proteine
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Nach Gründung der neuen Forschungsgesellschaft für Arbeitsphysiologie und Arbeitsschutz e.V. im Jahr 1969 werden die arbeitsphysiologischen Forschungsgruppen des Max-Planck-Instituts in ein eigenes Institut in Dortmund ausgegliedert. 1973 erfolgt dann die Umbenennung des MPI für Arbeitsphysiologie in MPI für Systemphysiologie.
Nach und nach ändern sich auch die Schwerpunkte der Forschungsarbeiten. Die Wissenschaftler untersuchen nun die Sauerstoffversorgung der Organe, sie ermitteln die biologische Wertigkeit verschiedener Eiweiße und den menschlichen Bedarf an Mineralstoffen und Vitaminen. Sie testen die Wirkung von Duft- und Geschmacksstoffen und prüfen die Eignung von Grünalgen als Eiweißquelle. Immer weiter dringen sie dabei vor in die Welt der Zellen und Moleküle. Mit Hilfe von Röntgenkristallographie, ausgefeilten chemischen Synthesen und zellphysiologischen Experimenten analysieren sie die Funktion und Struktur jener Bausteine, die alle Lebensvorgänge steuern: die Gene als Träger der Erbinformation und die Proteine als Gerüststoffe und Katalysatoren der Zellen.
Dieser Veränderung trägt die Max-Planck-Gesellschaft 1993 mit einer Neutaufe Rechnung: 1993 erhält das Institut, nach Zusammenlegung des MPI für Systemphysiologie und des MPI für Ernährungsphysiologie, seinen heutigen Namen „Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie“. Im Mittelpunkt der Forschungsarbeiten stehen seither Untersuchungen zu den molekularen Prozessen des Zellwachstums, der Krebsentstehung, der Signalübertragung innerhalb und zwischen den Milliarden von Zellen des menschlichen Körpers. Zudem arbeiten die Wissenschaftler an der Entwicklung von Substanzen, die sich zur gezielten Modulation von Zellprozessen im Organismus einsetzen lassen.
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