MPI begrüßt neuen Max-Planck-Forschungsgruppenleiter Andrija Sente

Neuer Gruppenleiter wird die molekularen Mechanismen der neuronalen Kommunikation untersuchen

21. Januar 2026

Ab Januar 2026 wird Andrija Sente seine unabhängige Max-Planck-Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut (MPI) für molekulare Physiologie in Dortmund aufbauen. Seine Gruppe wird untersuchen, wie Neuronen miteinander kommunizieren können. Max-Planck-ForschungsgruppenleiterInnen werden vom Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft ernannt und genießen - ähnlich wie die Direktoren der Max-Planck-Institute - einen unabhängigen Status innerhalb des Instituts.

Andrija hat an der Universität Cambridge studiert und sich dort im Bereich Medizin und Veterinärmedizin spezialisiert. Er promovierte anschließend am renommierten MRC Laboratory of Molecular Biology in der Abteilung Neurobiologie bei Radu Aricescu und forschte dort weiter als Postdoktorand. In dieser Zeit untersuchte er Typ A GABA Rezeptoren, eine Klasse inhibitorischer Neurotransmitter Rezeptoren, die von vielen gängigen Medikamenten wie angstlindernde Mittel, Antiepileptika und Allgemeinanästhetika angesprochen werden. Er entdeckte eine bislang nicht erkannte Vielfalt in der Zusammensetzung dieser Rezeptoren und bestimmte die erste Struktur des Rezeptors in seiner unmontierten Form. Zudem war er an einer Zusammenarbeit beteiligt, die die erste hochauflösende Rekonstruktion einer biologischen Probe mittels Kryoelektronenmikroskopie (Kryo-EM) ermöglichte. gewählt.

Seine Arbeit wurde mit dem Postgraduate Prize der British Neuroscience Association und dem Grand Prize des 2024 Science and SciLifeLab Award for Young Scientists ausgezeichnet.

Wir freuen uns, dass wir Andrija als neuen Gruppenleiter für das MPI gewinnen konnten und wünschen ihm einen guten Start und viel Erfolg beim Aufbau seiner Forschungsgruppe.

Erfahrt mehr über Andrija und seine Forschung im folgenden Interview.

 

Andrija, worauf wirst du deinen Forschungsschwerpunkt legen und was hat dich dazu angetrieben?

Meine Forschungsgruppe wird die Mechanismen untersuchen, mit denen Neuronen miteinander kommunizieren. Diese Kommunikation liegt allen kognitiven Funktionen zugrunde und ist bei häufigen neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen wie Schizophrenie und Autismus gestört. Eine Möglichkeit, wie Neuronen Informationen austauschen und verarbeiten, besteht in spezialisierten Verbindungen, den Synapsen. Trotz jahrzehntelanger Forschung verstehen wir die molekularen und zellulären Prozesse, die für die Synapsenbildung, -erhaltung, -spezialisierung, die aktivitätsabhängige Umstrukturierung und den Abbau verantwortlich sind, nach wie vor nicht. Das bedeutet zugleich, dass wir nicht wissen, warum Synapsen bei Krankheiten dysfunktional werden – ein Hindernis für die rationale Medikamentenentwicklung.

Warum spielt Kryo-EM eine so große Rolle in deiner Forschung?

In den letzten Jahren haben wir stark auf Kryo‑EM zurückgegriffen, um beispielsweise Einblicke in die Mechanismen zu erhalten, mit denen Zellen Neurotransmitter‑Rezeptoren zusammenbauen. Wir haben das Verfahren zudem eingesetzt, etwa um die enorme Vielfalt einer Familie inhibitorischer Rezeptoren – der Typ‑A‑GABA‑Rezeptoren – aufzudecken. Auf diese Weise können Zellen mit einer begrenzten Anzahl von Bausteinen sehr unterschiedliche Signalwege erzeugen. Wir haben völlig neue Rezeptortypen, bislang unbekannte Wirkstofftaschen und Ähnliches entdeckt. Dennoch ist unsere Forschung nicht ausschließlich auf Strukturbiologie und Kryo‑EM ausgerichtet. Mein Ziel ist es, ein interdisziplinäres Team aufzubauen, das von biologischen Fragestellungen getrieben wird und bereit ist, jede Methode einzusetzen, die zur Lösung nötig ist.

Warum hast du dich entschieden, deine Gruppe am MPI Dortmund zu gründen?

Das Institut bietet alles, was wir für unsere Forschung benötigen – einschließlich einer erstklassigen Einrichtung für EM – und Stefan Raunsers Abteilung am MPI ist Vorreiter im Bereich der Bildgebung mittels Kryo-EM. Außerdem war jeder, den ich bei meinen Besuchen kennengelernt habe, freundlich, und von Anfang an hatte ich ein gutes Verhältnis zu den beiden Direktoren Stefan und Andrea. Ich schätze ihre Vision eines kollaborativen, offenen Instituts sehr; das ist für eine Max‑Planck‑Forschungsgruppe äußerst förderlich. Wir werden unseren eigenen Enthusiasmus für die Forschung einbringen und hoffentlich auch wissenschaftliche Inhalte beisteuern.

Was möchtest du mit deiner Forschung erreichen, und wie wird sich dies auf Wissenschaft und Gesellschaft auswirken?

Erkrankungen des Gehirns stellen wohl die wichtigste gesellschaftliche Herausforderung dar. Für die meisten neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen gibt es derzeit keine wirksamen Therapien, weil wir nicht verstehen, warum Menschen krank werden und was dann im Gehirn passiert. Deshalb besteht die zentrale Aufgabe der Neurowissenschaften darin – aus Sicht der klinischen Medizin und des gesellschaftlichen Nutzens – die molekularen Mechanismen und zellulären Prozesse zu entschlüsseln, die der Krankheitsentstehung zugrunde liegen. Ich hoffe, dass unsere Arbeit ein klareres Bild dieser Prozesse liefert und eines Tages direkt den betroffenen Menschen zugutekommt. Noch allgemeiner: Das Gehirn gilt als das, was uns menschlich macht. Das bessere Verständnis der Prozesse, die unser Denken, unsere Gefühle, unser Gedächtnis usw. ermöglichen, ist unglaublich spannend.

Was machst du gerne in deiner Freizeit, abgesehen von deiner wissenschaftlichen Arbeit?

Ich mache gerne viele verschiedene Dinge, je nach Stimmung, Jahreszeit usw. Hier einige meiner Lieblingsaktivitäten: Ich spiele mehrere Musikinstrumente (ein traditionelles kroatisches Saiteninstrument namens Tambura sowie Gitarre und Klavier), treibe viel Sport (Fußball, ich habe einen schwarzen Gürtel in Karate, bin außerdem begeisterter Schachspieler ...), lese gerne (Belletristik, Biografien, Wissenschaftsgeschichte usw.) und schaue gerne Filme. Seit kurzem bin ich begeisterter Nutzer der Merlin Bird ID App.

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