Otto-Hahn-Medaille für Verena Cmentowski

18. Juni 2026

Für ihre außergewöhnlichen wissenschaftlichen Leistungen auf dem Gebiet der Zellteilung wird Verena Cmentowski, ehemalige Doktorandin in der Abteilung von Andrea Musacchio, mit der renommierten Otto-Hahn-Medaille 2025 der Max-Planck-Gesellschaft ausgezeichnet. Die Otto-Hahn-Medaille ist verbunden mit einem Anerkennungsbetrag von 7.500 Euro. Die Auszeichnung soll junge WissenschaftlerInnen in ihrem Bewusstsein für die eigenen Fähigkeiten stärken, und sie ermuntern, ihren eigenen Weg zu finden.

In ihrer Doktorarbeit mit dem Titel „Dissecting the Molecular Mechanisms of Corona Assembly and CENP-E Kinetochore Recruitment“ befasste sich Verena Cmentowski mit einer zentralen Frage der Zellteilung: Wie entsteht die Kinetochor-Corona? Die Corona ist ein temporäres, aber unverzichtbares Proteinnetzwerk, das zu Beginn der Mitose aufgebaut wird und die korrekte Ausrichtung sowie Trennung der Chromosomen sicherstellt. Verena Cmentowski wies nach, dass das Motorprotein CENP-E, das sich entlang der Spindelfasern bewegt, eine weitaus grundlegendere Rolle spielt als bisher angenommen: CENP-E beeinflusst nicht nur die Ausrichtung der Chromosomen, es ist aktiv am Aufbau der Corona beteiligt. Diese Erkenntnis trägt erheblich zu einem besseren Verständnis der Kinetochor-Corona bei.

Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit war die Identifizierung der zwei zentralen Initiationsstellen innerhalb des Kinetochors, die den Corona‑Aufbau steuern. Von besonderer Bedeutung ist das Enzym BUB1, das bisher vor allem für seine Rolle bei der Zellzykluskontrolle bekannt war und auch für seine Beteiligung an der Krebsentstehung anerkannt ist. Verena Cmentowski konnte nachweisen, dass mehrere wichtige Proteinkomplexe – darunter Komponenten der Corona sowie Proteine des mitotischen Checkpoints – um dieselbe Bindungsstelle an BUB1 konkurrieren. Dieser Wettbewerb stellt einen entscheidenden Mechanismus dar, um Fehler bei der Chromosomensegregation zu verhindern. Ihre Ergebnisse liefern ein klareres Verständnis dafür, wie die Zellteilung gesichert wird und wie Störungen in diesem Prozess zu schweren Entwicklungsfehlern oder Krebs führen können.

Verena Cmentowski studierte Medizinische Biologie an der Universität Duisburg-Essen (B.Sc. und M.Sc.). Nach einem Forschungsaufenthalt an der University of California, Berkeley, promovierte sie bei Andrea Musacchio am Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie in Dortmund. Seit 2025 arbeitet sie als Wissenschaftlerin am MRC Laboratory of Molecular Biology (LMB) in Cambridge, Großbritannien.

Zur Redakteursansicht